Unsere Geschichte
 

Die Gründung 1953

In den schweren Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg suchen immer mehr Menschen Orientierung in Lebenskrisen und Erziehungsfragen. 1947 nehmen deshalb ehrenamtliche Beraterinnen die Arbeit der bereits 1930 gegründeten „Evangelischen Eheberatungsstelle“ wieder auf. Am 15. Mai 1953 wird dann die „Evangelische Beratungsstelle für Familien- und Erziehungsfragen“ mit eigenen Räumen in der Lindenspürstr. 17 gegründet. Neben den ehrenamtlichen Beraterinnen sind nun auch Psychagoginnen und Psychologen als hauptamtliche Fachkräfte tätig.
Dieses Konzept der sogenannten integrierten Beratungsstelle, in dem die Beratungsbereiche Erziehungs- und Jugend-, Ehe- und Partnerschafts- sowie Lebensberatung unter einem Dach angeboten werden, hat sich bis heute sehr bewährt. Ergänzt wurde dieses Beratungsangebot von Anfang an durch zahlreiche Vorträge, Seminare und Fortbildungsangebote.

  Die fachliche Konzeption

Das entscheidend Neue war, und deshalb nehmen wir auch den 15. Mai 1953 als eigentliches Gründungsdatum der Beratungsstelle, dass nun neben Ehrenamtlichen auch hauptamtlich angestellte Fachkräfte tätig waren, und dass neben Eheberatung auch Erziehungsberatung angeboten wurde.
Pfarrer Fritz, der erste Leiter der Beratungsstelle, schreibt 1955: „Der Anschluss der Erziehungsberatung schien wichtig, weil aus Eheschwierigkeiten oft Erziehungsnöte entstehen und die Praxis anderer Stellen gezeigt hat, dass man bei Erziehungsschwierigkeiten oft auf Ehenöte stößt“. Das war die Geburtsstunde der sogenannten „integrierten Beratungsstelle“, in der alle psychologischen Beratungsbereiche, also Erziehungs- und Jugend-, Ehe- und Partnerschafts- sowie Lebensberatung unter einem Dach angeboten wurden. Ergänzt wurde dieses Beratungsangebot von Anfang an durch zahlreiche Vorträge, Seminare und Fortbildungsangebote. Dieses Konzept hat sich bis heute bewährt. Methodischer Hintergrund waren Verfahren, die aus Psychoanalyse, Tiefenpsychologie und humanistischer Psychologie abgeleitet waren. Bereits im ersten Jahr (1953) kamen 189 Menschen zur Beratung, davon 130 wegen Eheschwierigkeiten und 59 wegen Erziehungsfragen.Zum Gründungsteam der Beratungsstelle gehörten Oberkirchenrat Dr. Manfred Müller, Frau Gertrud Mohrmann, Geschäftsführerin der Evangelischen Frauenhilfe, Pfarrer Fritz, Frau Erna Zimmermann als erste hauptamtlich angestellte Psychagogin, Frau Elisabeth Molt und Frau Dr. Sabine Scharpf als ehrenamtliche Mitarbeiterinnen mit einer Fortbildung in Ehe- und Lebensberatung; außerdem gehörten ein Jurist und eine Ärztin zum Gründungsteam. Bereits 1956 kam Frau Ilse Hilzinger als weitere hauptamtliche Psychagogin zur Beratungsstelle.

 

Ausbau und Modell

Am 21. März 1955 zieht die Beratungsstelle in die Tübinger Str. 25 um. Da die Nachfrage nach Beratung und damit die Zahl der Mitarbeiter/innen weiter wächst, erfolgt am 1. Dezember 1961 der Umzug in die großzügigen Räume des Hauses Augustenstr. 39 B, sehr zentral gelegen am Feuersee im Stuttgarter Westen, wo die Beratungsstelle bis heute zu finden ist.
In den sechziger Jahren beginnt die enge Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Zentralinstitut für Familienberatung in Berlin. Zahlreiche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter machen dort ihre Aus- und Fortbildung in Ehe- und Lebensberatung.

Ebenso eng ist die Verbindung der Beratungsstelle  zu den psychoanalytischen Ausbildungseinrichtungen „Stuttgarter Akademie für Tiefenpsychologie und analytische Psychotherapie“ sowie zum „C.G. Jung Institut“.

Ende der siebziger Jahre wird das Beratungsangebot erweitert um die Familientherapie und Anfang der neunziger Jahre um Mediation und Supervision. Die Psychologische Beratungsstelle Stuttgart war Ausgangspunkt und Modell für die Gründung aller weiteren psychologischen Beratungsstellen der Evangelischen Landeskirche, unter anderem in Tübingen, Ulm, Heilbronn, Reutlingen, Tuttlingen und Ravensburg.

Der Ausbau der Beratungsstelle Stuttgart wurde 1991 abgeschlossen. In diesem Jahr übernahm die Beratungsstelle in der Augustenstraße auf Wunsch des Evangelischen Kirchenbezirks Degerloch die dort bereits seit 1969 bestehende Psychologische Beratungsstelle in ihre fachliche und organisatorische Leitung. Die Trägerschaft liegt heute beim Evangelischen Kirchenkreis Stuttgart.

Die schon immer gute Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart wird durch den Abschluss des „Gesamtversorgungsvertrags“ am 1. Januar 2000 noch weiter gefestigt. Die Stadt Stuttgart ist heute unser wichtigster Zuschussgeber.

  Finanzielle Krise und Zukunftssicherung

Der Ausbau der Beratungsstelle war – auch in personeller Hinsicht – Ende der achtziger Jahre abgeschlossen. Von 1989 bis Anfang 2002 mußten nach Jahren wirtschaftlicher Sicherheit zwei Herausorderungen gemeistert werden: Zum einen zog sich die Evangelische Landeskirche in Württemberg 1996 aus der Trägerschaft zurück. Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Stuttgart übernahm dankenswerterweise die finanzielle Verantwortung für die Beratungsstelle, so dass die Beratungsarbeit uneingeschränkt fortgeführt werden konnte. Zum anderen beendete der Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern die Förderung der Beratungsstellen, so dass eine finanzielle Krise drohte. Erfreulicherweise war es möglich, dass die Stadt Stuttgart, die schon zuvor die Beratungsstelle bezuschusst hatte, ihre Förderung ausweitete und deshalb heute unser wichtigster Zuschussgeber ist. Diese gute Zusammenarbeit mit der Stadt Stuttgart wurde durch den Abschluss des „Gesamtversorgungsvertrags“ am 1. Januar 2000 noch weiter gefestigt.

  Psychologische Beratung – Spiegel der Gesellschaft

Die Beratungsstelle wird von den Ratsuchenden in den meisten Fällen aufgrund ganz individueller Fragestellungen und Problemsituationen aufgesucht. Gleichwohl haben sich aber auch alle gesellschaftlich und politisch wichtigen Themen der vergangenen 60 Jahre in unseren Beratungen widergespiegelt. Nur einige wenige seien genannt:

  •  der Wiederaufbau und das beginnende „Wirtschaftswunder“ in den 50er Jahren
  • der sogenannte „Kalte Krieg“ und der Mauerbau in Berlin 1961
  • die Zeit der Studentenunruhen ab 1968
  • die Reform des Eherechts 1974 und wachsende Scheidungszahlen mit der Entwicklung neuer Familienformen
  • die Wiedervereinigung ab 1989
  • die Angst vor Terroranschlägen wie am 11. September 2001 in New York, vor Krieg und Bürgerkrieg wie im Irak, in Afghanistan, Syrien oder in den nordafrikanischen Staaten
  • Die Sorge um den Arbeitsplatz und um die Zukunft der Kinder in einer sich immer rascher verändernden Welt

Auch Tragödien wie die Amokläufe in Erfurt (2002) und Winnenden (2009), Katastrophen wie der Tsunami in Thailand (2004) und  Erdbeben wie zuletzt in Haiti (2010) mit hunderttausenden Toten oder schwere atomare Reaktorunfälle wie 2011 in Fukushima (Japan) lösen in vielen Menschen massive Ängste und Zweifel aus, die dann in den Beratungen zur Sprache kommen.

Seit der Gründung der Beratungsstelle 1953 haben sich die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen geändert, die individuellen Fragestellungen und Ängste der Ratsuchenden sind gleich geblieben. Ziel war es damals und ist es heute, in den Beratungen einen Weg aus der Krise und neue Hoffnung für die Zukunft zu finden.

Mit über 2.000 Ratsuchenden pro Jahr und etwa 70.000 Ratsuchenden seit ihrer Gründung leistet die Psychologische Beratungsstelle der Evangelischen Kirche in Stuttgart einen wichtigen Beitrag zum Angebot an psychologischer Beratung in Stuttgart.

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